Am 21. September 2025 leitete Priester Jan Kittelberger, der stellvertretende Bezirksvorsteher des Bezirks Reutlingen, den Jugendgottesdienst für die Bezirke Nürtingen, Reutlingen und Esslingen/Stuttgart-Degerloch in unserer Kirche in Nürtingen. Als Grundlage diente das Bibelwort aus 5. Mose 10, Verse 18 und 19: „[Der Herr] schafft Recht den Waisen und Witwen und hat die Fremdlinge lieb, dass er ihnen Speise und Kleider gibt. Darum sollt ihr auch die Fremdlinge lieben; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland.“
Chorlied: „Finde Zeit“
Priester Kittelberger unterstrich zu Beginn des Gottesdienstes, dass ein jeder sagen darf: „Gott liebt auch mich“, entsprechend auch Menschen, die uns „Fremdlinge“ sind. Daraus folgt unser Auftrag, Mitmenschlichkeit zu leben. Bereits in der Antike war die Umsetzung dessen zu erkennen - Gastfreundschaft war Ausdruck der Vernunft. Dennoch meinen wir heutzutage oft, dass es unfair ist, wenn Menschen etwas bekommen, für das sie scheinbar keine Leistung erbringen mussten. Jene Haltung widerspricht dem „Unser Vater“, in welchem wir ein jedes Mal aufs Neue betonen, dass wir so handeln wollen, wie Jesus es uns vorgibt. Dieser Widerspruch ist mithilfe der Psychologie zu erklären: Gegenüber anderen empfundene Empathie und Sympathie hängen davon ab, wie ähnlich wir einem Menschen sind, wie nahe wir ihm stehen und wie viel Zeit wir mit ihm verbringen.
Lesung: Matthäus 25, 35-40
Nach der Lesung griff Jan Kittelberger das Sprichwort „die Tränen von Fremden sind nur Wasser“ auf. Daraus leitete er die Aufforderung ab, dafür zu sorgen, dass ein Fremder für uns zu einem Nicht-Fremden wird. Passend dazu griff er Worte von Papst Franziskus auf, nach welchen die Armen im Herzen des Evangeliums stehen und diejenigen, die sie herausnehmen, Jesus nicht kennen.
Diese Aussage veranschaulichte er am Beispiel des Zachäus und betonte erneut, dass Jesus gerade zu den Unbeliebtesten geht - zu jenen, die schlecht gehandelt haben. Wir selbst wissen schließlich ebenfalls, wie wohltuend es ist, wenn wir als Fremde aufgenommen werden und jemand auf uns zugeht. Es liegt nun an uns, ein Mensch zu sein - eine Aufforderung, die ein Holocaust-Überlebender seinem Sohn mitgegeben hat und die dieser in einer Rede im Bundestag zum Ausdruck brachte. Zu diesem Menschsein gehört eben jene mentale Verschiebung, welche einen Fremden für uns zu einem Mitmenschen macht. Zur Veranschaulichung dessen informierte Priester Kittelberger uns Jugendliche darüber, dass sich aktuell etwa 120 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht befinden.
Chorlied: „With you I can“
Zu Beginn seines Dienens sagte Priester Holger Traub (stellvertretender Bezirksvorsteher Esslingen/Stuttgart-Degerloch), Gottesdienst bedeutet, dass Menschen sich versammeln und Gott bei ihnen einkehrt. Im Anschluss führte er uns vor Augen, dass wir uns selbst oft in neuen Situation wiederfinden, ohne uns aktiv dafür entschieden zu haben, wodurch wir von der Rolle derer, denen es gut geht, in diese von Fremdlingen geraten. Entsprechend rief Priester Traub uns dazu auf, uns für Fremde zu öffnen, da wir uns selbst ebenso in ihrer Lage befinden könnten und uns dann darüber freuen würden, wenn uns jemand die Hand reicht. Unseren Blick zu weiten und echtes Interesse an einander zu haben - dies ist unser Auftrag, welchen wir gemeinsam mit Jesus erfüllen können.
Bezirksevangelist Uwe Zimmerer, der stellvertretende Nürtinger Bezirksvorsteher, begann sein Dienen mit der Frage: „Glauben wir, dass Gott unser Vater ist?“ Wir sind Gottes Kinder und wollen unserem Vater entsprechend helfen, sein Wort weiterzutragen. Wenn wir dies glauben können und den Mut haben, darauf zu vertrauen, dass Gott alles gemacht hat, dann haben wir die Motivation Gutes zu tun. Wir können dort helfen, wo jemand alleine ist und anderen Licht bringen, indem wir zu ihnen gehen. Wer so handelt, wird sehnsüchtig nach Gottes Wort. Bezirksevangelist Zimmerer stellte klar: Mit Gott arbeiten bedeutet, ihm zu vertrauen, unseren Vater alles lenken und leiten zu lassen, ihm Zeit zu geben und als sein Werkzeug zu wirken. Wenn wir etwas für Gott tun, entsteht auch für uns selbst ein großer Reichtum. Daran anknüpfend gab der stellvertretende Bezirksvorsteher uns die „Challenge“ mit auf den Weg, Gott darum zu bitten, uns in den nächsten Tagen jemanden Fremden zu zeigen, dem wir behilflich sein können.
Bußlied: Chorlied: „Komm her“
Lied zum Abendmahl: „Wie groß ist des Allmächt'gen Güte“
Chorlied: „I live in Christ“
Nach dem Gottesdienst gab es bei Speis und Trank noch reichliche Gelegenheit, den Gottesdienst zu reflektieren und in der Gemeinschaft bei guten Gesprächen den weiteren Verlauf des Tag miteinander zu erleben.