Mit diesen Worten kann man wohl die vielfältige Gemütslage der Gottesdienstbesucher des letzten Gottesdienstes in unserer Kirche in Großbettlingen am Sonntag, 16.11.2025, am besten zusammenfassen.
Zum Gottesdienst mit Profanierung des Kirchengebäudes, welcher vom Leiter des Kirchenbezirks, Bezirksältester Peter Kromer, durchgeführt wurde, waren zahlreiche Geschwister, Freunde und Nachbarn der Kirchengemeinde gekommen.
Als besondere Ehrengäste konnte Frau Pfarrerin Senta Zürn und Herr Bürgermeister Christopher Ott begrüßt werden.
Der Gottesdienst wurde musikalisch durch Querflöte, Klavier und Orgel umrahmt. Zu Beginn sang die Gemeinde sehr bewegt das Lied „Meine Zeit steht in deinen Händen.“
Als Grundlage für den Gottesdienst diente das Bibelwort Offenbarung 22, Vers 21, es handelt sich hierbei um den letzten Satz der Bibel: „Die Gnade des Herrn Jesu sei mit allen!“ Bezirksältester Kromer, der die wohl vielschichtige vorhandene Gefühlslage der Gottesdienstteilnehmer mit dem Bild einer „Achterbahnfahrt“ zu beschreiben versuchte, richtete den Blick auf die uneingeschränkte Liebe, die Gott allen Menschen entgegenbringt.
In seinem ergänzenden Predigtbeitrag sprach der Gemeindeleiter der neuapostolischen Kirchengemeinde Großbettlingen, Priester Ewald Gaiser, der in dieser Funktion fast 40 Jahre ehrenamtlich seelsorgerisch die Gemeinde leitete, seinen besonderen Dank an alle, die sich über die vielen Jahre in der Kirchengemeinde in vielfältiger Weise engagiert hatten, aus. Einen besonderen Dank richtete er auch an seine Familie, die ihn in dieser langen Zeit unterstützt und getragen hatte.
Nach der Feier des Heiligen Abendmahls gab Bezirksältester Kromer einen kurzen Einblick in die Chronik:
Die Anfänge der Neuapostolischen Kirche in Großbettlingen gehen auf das Jahr 1918 zurück. Die ersten Mitglieder besuchten zunächst die Gottesdienste in der Gemeinde Nürtingen. Ab 1930 konnten in verschiedenen Privathäusern in Großbettlingen Gottesdienste abgehalten werden. Ab 1948 wurde die Gemeinde selbständig. Nachdem die Gemeinde in den folgenden Jahren immer mehr Zuwachs bekam, entschloss sich die Kirchenleitung zum Bau eines eigenen Kirchengebäudes in der Altdorfer Straße, das im Dezember 1977 seiner Bestimmung übergeben wurde. Seit August 2025 besuchen die Gemeindemitglieder die Gottesdienste in der neuapostolischen Kirchengemeinde Metzingen, wohin die Gemeinde nun integriert wurde.
Als besonderes Zeichen der Wertschätzung überreichte er dem Gemeindeleiter Priester Gaiser die Altarbibel, aus der er in sicher mehr als 1000 Gottesdiensten das Bibelwort verlesen hatte. Die Anwesenden forderte er auf, den scheidenden Vorsteher zuhause aufzusuchen und sich dort auf den Leerseiten der Bibel zu verewigen.
Danach folgte die Entwidmung des Kirchengebäudes und das Schlussgebet mit dreifachem Segen durch den Bezirksvorsteher Peter Kromer.
Im Anschluss richtete sich Frau Pfarrerin Senta Zürn sehr wertschätzend an die Gemeinde. Sie erinnerte an die gemeinsamen ökumenischen Projekte, von den Kinderbibelwochen zu den Friedensgebeten beim Ausbruch des Ukrainekriegs und etlichen gemeinsamen Gottesdiensten. Sie gab der neuapostolischen Kirchengemeinde Großbettlingen folgenden Segensgruß aus der Bibel mit auf dem Weg.
Aus 1. Mose 12, Verse 1 und 2: „Geh aus deines Vaters Haus in ein Land, das ich dir zeigen will; Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“
Der „geräuschlose“ Integrationsprozess habe Vorbildfunktion für organisatorische Veränderungen, die auch in anderen Kirchen sowie der Politik auf verschiedenen Ebenen notwendig werden würden.
Sie äußerte den Wunsch, dass die ökumenische Zusammenarbeit mit den neuapostolischen Christen im Ort erhalten bleibe und dass sie deshalb gerne weiterhin Priester Gaiser als Ansprechpartner kontaktieren wolle. Priester Gaiser, welcher in nachhaltiger Weise die ökumenische Zusammenarbeit im Ort von Seiten der neuapostolischen Kirche geprägt hat, stimmte gerne zu.
Als besonderes Geschenk und Erinnerung an das erste gemeinsame ökumenische Projekt, die Friedensgebete, überreichte sie der Gemeinde ein Glas Honig, das ukrainische Imker mit Hilfe von Drohnen ausgestreuten Blumensamen über mit Minen verseuchten Feldern, durch Bienen gewonnen haben und dessen Verkaufserlös zu Gunsten von Opfern dieser Minen und zur Beseitigung derselben verwendet wird.
Herr Bürgermeister Christopher Ott erinnerte dankbar an die ersten Tage seiner Amtszeit, kurz nach Ende der Corona-Epidemie. Dort sei es sein Wunsch gewesen, dass die drei Kirchen im Ort entsprechende örtliche Veranstaltungen künftig gemeinsam gestalten würden, was von Anfang an völlig problemlos funktioniert habe.
Der Kirchengemeinde gratulierte er für den Mut, Neues zu wagen. Diesen würde er sich öfters auch für das politische Leben wünschen.
Beim anschließenden Stehempfang konnten sich die Gemeindemitglieder noch mit den zahlreichen Gästen und „ehemaligen Großbettlingern“ über schöne gemeinsame Erinnerungen und neue Perspektiven austauschen.