Endlich war es soweit. Die bereits vor zwei Jahren geplante Jugendfreizeit-Woche auf Wangerooge begann am 02. Juni Pünktlich stiegen wir um 23 Uhr in einen Doppeldecker-Bus mit Anhänger ein. Doch die Fahrt endete bereits nach 20 Metern, weil der Bus nicht um die Ecke kam. Unserem Busfahrer-Ehepaar Pierre und Carina sowie ganz vielen herbeieilenden und hilfsbereiten Nachbarn gelang es schließlich, in aller Ruhe und Präzision den Bus nach einer Stunde zur Weiterfahrt zu bewegen.
Trotz der verzögerten Abfahrt schafften wir noch die 10 Uhr-Fähre am nächsten Tag. Nach einer Stunde Fahrt mit der Fähre stiegen 42 Jugendliche mit ihren Betreuer:innen bei strahlendem Sonnenschein am Hafen auf Wangerooge aus, wo wir von unserer Hebergsmutter Heike Eißler (geb. Müllerschön und ursprünglich aus unserem Kirchenbezirk) mit dem Fahrrad abgeholt wurden. Wangerooge ist eine autofreie Insel, so waren wir die ganze Woche mit unseren Fahrrädern unterwegs waren.
Angekommen im Gutenbergheim begrüßte uns Peter Eißler. Im Anschluss konnten wir unsere Zimmer beziehen und endlich „ankommen“. Wir hatten das ganze Heim für uns: mit Speisesaal und Andachtsraum für Gottesdienste sowie direkt nebenan einen tollen kleinen Sportplatz. Das Heim liegt direkt am Deich – wir mussten nur das Heimgelände verlassen – 30 Meter laufen – und wir waren am Meer. So konnten wir abends nach dem Essen wunderschöne, magische Sonnenuntergänge am Meer genießen Der eigentliche Badestrand war in Ortsnähe. Der Ort war nur 5 km vom Heim entfernt.
Am Sonntagvormittag erlebten wir zum Start in eine tolle Woche unseren Jugendgottesdienst. Der Gottesdienst hat uns Mut gemacht, unsere Gaben zu erkennen und damit zu „arbeiten“. Auch mitten unter der Woche haben wir zusammen Gottesdienst gefeiert, und es hat uns erneut in Herz und Seele gut getan.
Zum Start in den Tag erlebten wir grandiose Impulse und Gebete von Jugendlichen. Es gab keinerlei Vorgaben. Was wir dabei zusammen erlebt haben, war sehr berührend und emotional. Auch unsere Gäste haben sich bereit erklärt, einen Morgenimpuls mit Gebet zu gestalten. Die Jugendlichen sind in dieser Woche über sich hinaus gewachsen und wir durften in ihre Herzen schauen. Die Ablussworte und Abendgebete wurden immer von Jugendbetreuer:innen gesprochen.
Durch die tägliche Erlebnispädagogik hatten wir die Möglichkeit, uns besser kennenzulernen und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Wir mussten feststellen, Jesus ist unser größter „Erlebnispädagoge“.
Natürlich hatten wir auch viel Spaß bei Sport und Spiel. Am Strand konnten wir Beachvolleyball spielen, es gab einen Wettbewerb zum Thema „schönste Meerjungfrau mit Sand“, Völkerball, Fußball, Picknick am Meer. Wir hatten eine super geführte Wattwanderung und eine spannende und herausfordernde Inselrallye u.v.m.
Postkarten als Dankeschön gingen an unsere Senioren, die uns durch ihre Spenden bei dieser Reise unterstützt haben. Vielen Dank nochmals!
Ein Motto dieser Woche sollte sein, Spuren auf der Insel zu hinterlassen. Dieser Gedanke wurde die ganze Woche über bewusst und auch unbewusst gelebt.
Am Montag, 05.06., kam Gerrit Junge, der vom Kirchenbezirk Wilhelmshaven zuständige Inselseelsorger, zusammen mit Priester Ralf Stümer, dem Bezirks-Jugendleiter von Wilhelmshaven mit dem Inselhopper zu uns auf die Insel und die beiden gestalteten mit uns zusammen eine Andacht. Beide Brüder übernachteten noch bei uns und flogen am Dienstag nach dem Frühstück wieder zurück. Es war sehr, sehr bewegend und ein besonderes Erlebnis.
Ein emotionaler Abendimpuls war, als wir unsere selbstgesammelten Steine mit geeigneten Stiften bemalen konnten. Jeder durfte das, was ihn bewegt, auf die Steine schreiben. Nachdem alle Steine bemalt waren, durfte jeder seinen eigenen Stein in aller Stille im Andachtsraum, begleitet von einer Gitarre, zu seiner mitgebrachten Kerze hinlegen. Dieser Raum wurde den ganzen Abend immer wieder von Jugendlichen besucht, um ein stilles Gebet zu sprechen oder einfach nur innezuhalten. Es war sehr bewegend. Die Steine dienten am folgenden Abend als Altardekoration.
Wie bereits erwähnt, wollten wir ursprünglich vor zwei Jahren , also 2021, nach Wangerooge. Wir wollten am Pfingstsamstag auf der Insel anreisen. Genau an diesem Tag hat sich der dortige Inselpfarrer „Günther“ im Glockenturm seiner Kirche das Leben genommen. Und genau zwei Jahre später haben wir in dieser, seiner Inselkirche, kurz vor unserer Abreise, den Abschlussgottesdienst gefeiert. Nach dem Gottesdienst haben wir einen kleinen Impuls eingebaut, bei dem wir dem Pfarrer und aller Verstorbenen gedachten. Wir haben kleine, bemalte Steine und eine Kerze in Altarnähe abgelegt. Zum Abschluss sangen wir aus seinem evangelischen Gesangbuch das Lied „Stern auf den ich schaue“ – und der dritte Vers des Liedes hat uns sehr bewegt: „Nun so will ich wallen, meinen Pfad dahin, bis die Glocken schallen und daheim ich bin. Dann mit neuem Singen, jauchz ich froh dir zu. Nichts hab ich zu bringen, alles Herr bist du“…und, weil über Günther gesagt wurde, es sein ein liebevoller Seelsorger gewesen auch für Kinder und Jugendliche, haben wir unsere Jugendlichen, die bereits im Himmel sind, mit Günther „vernetzt“. Wir sind uns sicher, dass wir mit Günther einen guten Mann im Himmel haben.
Bewegt und berührt haben wir die Inselkirche verlassen und uns auf die Heimreise begeben. Wir sind ganz, ganz anders zurückgekommen, als wir gegangen sind Wir haben täglich gespürt, wie junge Menschen Lust auf Jesus haben. Daran lässt sich anknüpfen , darauf lässt sich aufbauen.