Dem Besuch von Apostel Jürgen Loy sah die Gemeinde Aichtal dieses Mal mit etwas gedämpfter Freude entgegen.
Ihr Vorsteher, Gemeindeevangelist Joachim Müller, sollte in den Ruhestand gesetzt und Priester Thorsten Strobel als sein Nachfolger beauftragt werden, zusätzlich zu seiner Leitungsaufgabe in der Nachbargemeinde Wolfschlugen. Zum Gottesdienst eingeladen waren an diesem Abend auch die Nachbargemeinden Neckartenzlingen, Filderstadt-Sielmingen und Wolfschlugen sowie die Geschwister aus St. Johann-Upfingen, wo Evangelist Müller vor Aichtal einige Jahre als Gemeindevorsteher wirkte.
„Erstens kommt es, zweitens anders als man denkt.“ Diese Erkenntnis von Wilhelm Busch war einmal mehr zu erfahren – zur freudigen Überraschung der Aichtal-Gemeinde, wenngleich leider aus nicht erfreulichem Anlass. Gleich zu Beginn des Gottesdienstes informierte der Apostel die Versammelten, dass die Ruhesetzung von Evangelist Joachim Müller noch nicht stattfinden werde. Hintergrund dafür ist die unerwartete Erkrankung des Gemeindevorstehers von Filderstadt-Sielmingen, Priester Klaus Mattes. Um die Versorgung der Gemeinde Sielmingen sicherstellen zu können, erklärte sich Evangelist Müller bereit, seinen Eintritt in den kirchlichen Ruhestand noch etwas zu verschieben und dadurch zu ermöglichen, dass Priester Strobel übergangsweise zusätzlich zu Wolfschlugen auch die Gemeinde Sielmingen als Vorsteher leitet. Der Apostel dankte Evangelist Müller und seiner Frau Ulrike für diese außergewöhnliche Bereitschaft sehr herzlich. Priester Strobel und seiner Frau Silke galt sein Dank für das Mittragen der Entscheidung in dieser Notsituation, und Priester Mattes und Familie sagte der Apostel die fürbittende Begleitung durch die Gemeinden zu.
Dem Gottesdienst legte Apostel Loy das Bibelwort aus Johannes 4, Verse 21 und 22 zugrunde. Zu Beginn seiner Predigt über die dort geschilderte Begegnung Jesu mit der samaritischen Frau am Jakobsbrunnen griff der Apostel das vorgetragene Lied des gemischten Chors auf, in dem es heißt: „Meinst du mich, Herr? […] Meines Bruders Hüter will ich sein“. Damit sei keinesfalls ein argwöhnisches Beobachten oder gar Überwachen des Nächsten gemeint, sondern vielmehr die echte Anteilnahme an dessen bzw. deren Leben, Sorgen und Nöten, so der Apostel. Dies sei gerade auch jetzt in der konkreten Situation der zum Gottesdienst versammelten Gemeinden gefragt. Diese anteilnehmende Zuwendung zum Nächsten komme in der Begegnung Jesu mit der samaritischen Frau in schönster Weise zum Ausdruck, führte der Apostel weiter aus. Über traditionelle Schranken hinweg und unter Hintanstellen gewohnter Sitten und Bräuche eröffnete Jesus der Frau eine völlig neue Perspektive. Wohl geht es bei diesem biblischen Bericht auch um die Befriedigung elementarer Lebensbedürfnisse. doch zeigte Jesus der Frau vor allem die Wichtigkeit des Seelenheils auf. Von Jesu Zuwendung überwältigt, kamen durch das Zeugnis dieser Frau viele Stadtbewohner zum Glauben. Am „Brunnen“, als ein Bild für den Gottesdienst, könne immer wieder Erquickung und göttliche Kraft geschöpft werden, um auch Zeugnis abzulegen von der zuwendenden Liebe Jesu Christi im Hier und Heute – betonten Evangelist Müller und Priester Strobel in ihren ergänzenden Predigtbeiträgen.
Nach der Feier des Heiligen Abendmahls erfolgte – wie geplant – die Ernennung von Priester Stefan Joas aus der Gemeinde zum stellvertretenden Gemeindevorsteher von Aichtal. Damit verband der Apostel in der besonderen Situation seine besonderen Segenswünsche.
Die Begegnung mit doch etwas außergewöhnlichem Charakter klang bei einer leiblichen Stärkung freudig und dankbar aus – besonders auch dafür, dass der Gemeinde Aichtal „ihr“ Vorsteher nun noch eine gewisse Zeit erhalten bleibt.