Mit diesen Worten lässt sich kurzgefasst die Atmosphäre beim letzten Gottesdienst in unserer Kirche in Neckartenzlingen am Sonntagmorgen, 20. Juli 2025, beschreiben.
Zum besonderen Gottesdienst mit Profanierung des Kirchengebäudes waren der Bezirksvorsteher, Bezirksältester Peter Kromer, und der stellvertretende Bezirksvorsteher, Priester Thorsten Fink, gekommen. Als Ehrengäste nahmen die Neckartenzlinger Bürgermeisterin Melanie Braun, die Vorsitzende des örtlichen evangelischen Kirchengemeinderats Heike Seyboldt-Schmid sowie Pastor Thomas Kurz von der Süddeutschen Gemeinschaft am Gottesdienst teil, die nach dem Gottesdienst in besonderer Verbundenheit noch ein Grußwort an die Gemeinde richteten.
Zum letzten Gottesdienst hatte sich eine große Schar Gläubiger eingefunden, um vom schmucken Kirchengebäude im Weinbergweg 28 Abschied zu nehmen. Bereits an Himmelfahrt dieses Jahres war Priester Michael Gaisser, der die Gemeinde über 22 Jahre leitete, von Apostel Jürgen Loy altershalber in den Ruhestand versetzt und die Gemeinde in die Nachbargemeinde Aichtal integriert worden.
Nun fand nach über 70-jährigem Bestehen der Gemeinde der letzte Gottesdienst an liebgewordener Anbetungsstätte statt. Als Grundlage für den besonderen Gottesdienst wählte Bezirksältester Peter Kromer das Bibelwort aus Jesaja 41, Teile aus Vers 1 und 5, das Bezirksapostel Michael Ehrich eine Woche zuvor dem Süddeutschen Jugendtag auf der Messe Stuttgart zugrunde gelegt hatte. Eingehend auf das vom gemischten Chor vorgetragene Lied „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzet“ spannte der Bezirksälteste den Bogen zur nahegelegenen Burg Hohenneuffen, an deren Fuß er aufgewachsen war. Anhand dieses Beispiels zeigte er auf, dass alles von Menschenhand Geschaffene endlich ist – und wenn es über eine gewisse Zeit noch so fest und stark war. Kein Ende hat dagegen die Treue Gottes, auf die wir uns zuverlässig verlassen können und die auch weiterhin erlebbar sein wird – wenn auch nun an anderem Ort. „Gemeinde ist ja nicht das Kirchengebäude – Gemeinde seid ihr“ – so weitete der Bezirksälteste den Blick auf das Wesentliche. Er spüre wohl die mit der Aufgabe des schönen Kirchengebäudes verbundene Wehmut, zumal mit diesem Ort ja auch viele tiefgehende und bewegende Erinnerungen verbunden seien. Und doch bekräftigte er, dass sich niemand vor der Veränderung zu fürchten brauche, denn Gott sei keinesfalls an Raum und Zeit gebunden.
In seinem ergänzenden Predigtbeitrag griff Priester Thorsten Strobel, der Vorsteher der Gemeinde Aichtal, den Gedanken des Bezirksältesten auf, dass in bestimmten Situationen zwar mancher seine Hilfe anbiete, aber eben nicht jeder wegen seiner „linken Hände“ für die Erledigung der handwerklichen Aufgabe geeignet sei. Er bat die Gemeinde Aichtal, als „Umzugshelfer“ mit dafür zu sorgen, dass das Schöne und Wertvolle aus dem Gemeindeleben der Glaubensgeschwister aus Neckartenzlingen in der neuen Gemeinde eine Heimat findet. Als Impuls gab er allen Anwesenden die Gedanken eines unbekannten Autors mit, die er jüngst gelesen hatte: „Jeden Tag neu sollst du wissen: Da ist einer, der mich hält. | Jeden Tag neu sollst du wissen: Da ist einer, der mich versteht. | Jeden Tag neu sollst du wissen: Da ist einer, der mich tröstet. | Jeden Tag neu sollst du wissen: Da ist einer, der mich liebt. | Jeden Tag neu sollst du wissen: Da ist einer, der für mich sorgt.“
Nach der Feier des Heiligen Abendmahls gab der langjährige Gemeindevorsteher Priester i. R. Michael Gaisser einen Einblick in die über sieben Jahrzehnte lange Geschichte der Gemeinde Neckartenzlingen. Vor dem Schlussgebet mit dreifachem Segen und zuvor der Entwidmung des Kirchengebäudes durch den Bezirksvorsteher, bat dieser den seitherigen Vorsteher nochmals an den Altar und bedankte sich bei ihm mit herzlichen, wertschätzenden Worten für alles, was er zusammen mit seiner Familie in über 20 Jahren in der Gemeinde geleistet hat. In einer spontanen, sehr berührenden Geste überreichte der Bezirksvorsteher dem vormaligen Gemeindevorsteher als Zeichen des Danks dann die Altarbibel zum weiteren persönlichen Gebrauch.
In ihrem Grußwort dankte Bürgermeisterin Melanie Braun der Gemeinde für die langjährige positive Mitgestaltung des Zusammenlebens in Neckartenzlingen. Mit Verweis auf das Wort aus Hebräer 13, 14 „Denn wir haben hier keine bleibende Stadt […]“ knüpfte sie an die Predigt des Bezirksältesten an. Anschließend überbrachte Heike Seyboldt-Schmid als Vorsitzende des ev. Kirchengemeinderats die Grüße aus der Ökumene am Ort und ganz persönlich auch vom katholischen Pfarrer Volker Weber, der zugleich Dekan des katholischen Dekanats Esslingen-Nürtingen ist, sowie von der evangelischen Pfarrerin Beate Schneider. Sie zeigte Verständnis für die Empfindungen, die mit diesem letzten Gottesdienst an diesem Ort verbunden sind, seien doch auch die anderen Konfessionen von Entwicklungen betroffen, die zum Teil erhebliche Veränderungen in den Gemeinden mit sich brächten. Umso mehr wünschte sie den neuapostolischen Gläubigen am Ort weiterhin Gottes Segen und Begleitung! Das Grußwort von Pastor Thomas Kurz knüpfte an das dem Gottesdienst zugrundeliegende Bibelwort an: Er gab der Gemeinde Gedanken aus Jesaja 43, 19. Dort ist die Rede davon, dass Gott Neues schafft und wie wichtig es ist, dieses Wachsen zu erkennen. Damit verband auch er persönliche Segenswünsche für die Zukunft der Neuapostolischen in Neckartenzlingen und drückte seine Hoffnung auf ein weiteres freudiges Begegnen und Erleben aus.
Beim anschließenden Stehempfang war noch ausreichend Zeit, über Schönes in der Vergangenheit zu reden und sich auch über die in der größeren Gemeinde gegebenen neuen Möglichkeiten auszutauschen. So trug alles dazu bei, dass die Wehmut über das Aufgeben der Gemeinde vor Ort tatsächlich überstrahlt wurde von Dankbarkeit und Zuversicht.