Am Sonntag, 17. August 2025, durfte die Gemeinde wieder einen Festgottesdienst mit Bischof Matthias Grauer, Reutlingen, feiern.
Der Bischof predigte über die bekannte Geschichte der 12 Kundschafter, die nach der langen Wüstenwanderung des Volkes Israel kurz vor der Einnahme des verheißenen Lands ausgeschickt worden waren (4. Buch Mose, 13. und 14. Kapitel). Musikalisch mitgestaltet wurde der Gottesdienst vom Gemischten Chor sowie der Instrumentalgruppe der Gemeinde.
Zu Beginn seiner Predigt griff der Bischof das vom Chor vorgetragenen Lied „Du heil‘ger Wille meines Herrn“ (Chorbuch Nr. 166) auf. Gerade weil wir den Willen Gottes nicht im Detail kennen, riet der Bischof, der Grundneugier auf Gottes Willen Raum zu geben und sich in allem Erleben das Grundvertrauen in Gott zu bewahren. Das Beispiel der damals ausgesandten Kundschafter spricht dabei sehr zur Sache. „Zwei zu Zehn“ war dem Grunde nach ein eindeutiger Mehrheitsentscheid. Dass es bei Gott jedoch nicht um Mehrheitsverhältnisse geht, sondern um das Befolgen seines Willens, macht der biblische Bericht deutlich. „Wenn der Herr uns gnädig ist, so wird er uns in dies Land bringen und es uns geben, ein Land, darin Milch und Honig fließt“ (4. Mose 14,9) – dieses Urvertrauen der beiden Kundschafter Josua und Kaleb überzeugte letztlich das Volk Israel und ließ es, trotz Ängsten, Besorgnissen und Widerständen mancher, ins verheißene Land einziehen. Milch und Honig sind ein Bild für umfassendes Wohlergehen. Dazu merkte der Bischof an, dass Milch und Honig nicht einfach vorhanden sind, sondern ihre Erzeugung mit Arbeit verbunden ist. So sind wir heute alle aufgefordert, den Willen Gottes zu tun und im Glauben und Vertrauen in seinem Werk mitzuwirken.
Evangelist Michael Bayer, Nürtingen, verknüpfte in seinem Predigtbeitrag das Bild „Zwei zu Zehn“ mit der bekannten unterschiedlichen Betrachtungsweise des halbvollen oder halbleeren Glases. Bei der „halbvollen“ Betrachtung kommt der Dennoch-Glaube zum Tragen – so der Evangelist. Wichtig bleibe es, dass Vertrauen in Gott nicht wegzuwerfen.
In einem weiteren Predigtbeitrag zeigte Priester Michael Lehmann, Frickenhausen, anhand einer kleinen Geschichte auf, was mit Vertrauen zusammenhängt: Der kleine Lenard reiste jeden Sommer mit seinen Eltern mit dem Zug zu den Großeltern. Als er größer geworden war, bat er seine Eltern, nun allein die Fahrt unternehmen zu dürfen. Die Eltern willigten schließlich ein. Beim Verabschieden steckte ihm sein Vater mit einer herzlichen Umarmung noch einen Zettel zu, mit dem Hinweis, diesen zu lesen, sollte er auf der Reise in eine schwierige Situation kommen. Fröhlich bestieg Lenard den Zug und genoss die Fahrt – bis plötzlich die Durchsage kam, der Zug werde beim nächsten Halt geteilt. Einige Waggons würden nach Essen, die anderen nach Hamm weiterfahren. Nun wurde er doch unruhig, ob er wohl im richtigen Waggon sitze. In seiner Not erinnerte er sich an den Zettel seines Vaters, zog ihn heraus und las: „Mach dir keine Sorgen. Ich sitze hinter dir auf Platz 32.“ Bischof Grauer verband diese Geschichte anschließend mit der Erfahrung des Psalmisten: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir“ (Psalm 139, 5).
Priester Sören Sippel, Aichtal, erinnerte in seinem abschließenden Wortbeitrag an seine Jugendzeit, in der er mit Bischof Grauer öfters Fußball gespielt hat. „Manches Spiel ist dabei 10:2 für unseren Bischof ausgegangen“, meinte er schmunzelnd. Und er berichtete von der morgendlichen Fahrt zur Kirche, als sein kleiner Sohn fragte: „Papa, fahren heute alle Leute in die Kirche?“, was er leider verneinen musste. Auch hierbei gehe es nicht um das Orientieren an Mehrheiten, sondern am Willen Gottes – so der Priester.
Freudig und dankbar genoss die Gemeinde nach dem Gottesdienst noch die Gelegenheit, beim Kirchenkaffee mit dem Bischof und untereinander ins Gespräch zu kommen.