Die Gemeinde Aichtal erlebte am Mittwochabend, 9 August 2023, ein weiteres, besonderes Fest im Rahmen ihres 100-jährigen Gemeindejubiläums: Bischof Matthias Grauer war gekommen, um mit der Gemeinde den Gottesdienst zu feiern.
Es war das erste Mal, dass der Bischof in Aichtal einen Gottesdienst leitete; an Karfreitag 2022 begleitete er Apostel Jürgen Loy. Mit eingeladen waren auch die Nachbargemeinden Neckartenzlingen und Wolfschlugen sowie Filderstadt-Sielmingen. Bedauerlicherweise waren bei Bauarbeiten am Vormittag sämtliche Telefon- und Internetleitungen stillgelegt worden, so dass die gewohnte Video- und Telefon-Übertragung leider nicht möglich war. Dank der Flexibilität des gemeindlichen Übertragungsteams wurde der Gottesdienst jedoch aufgezeichnet und am nächsten Tag ins Netz gestellt.
Seiner Predigt legte der Bischof das Bibelwort aus Sprüche 15,1 zugrunde – „ein kurzes, knackiges Wort“ wie er augenzwinkernd anmerkte: „Eine linde Antwort stillt den Zorn; aber ein hartes Wort erregt Grimm.“ In der Version der Basisbibel von 2021 wird das Wort so übersetzt: „Eine freundliche Antwort dämpft den Zorn, aber ein verletzendes Wort steigert ihn.“
Bezugnehmend auf das Lied des Gemischten Chors „Sei du mein Vater, sei mein Berater“ zu Beginn des Gottesdienstes empfahl der Bischof, Gott stets als Berater anzunehmen und auf seinem Rat zu folgen. Das dem Gottesdienst zugrundeliegende Bibelwort aus dem Buch der Sprüche gebe dazu reichlich Anregung. Er führte dazu etliche Beispiele an. Zusammenfassend betonte er die Wichtigkeit, im Umgang miteinander stets darauf zu achten, wie man miteinander umgeht und zueinander spricht. Jesus Christus selbst gab dazu den wichtigen Hinweis, dass das, was in den Mund eingeht den Menschen nicht verunreinigt, sondern vielmehr das, was aus dem Mund ausgeht (vgl. Mt 15,11). Besonders dann, wenn man angegriffen oder gar verletzt werde, sei es hilfreich zu versuchen, sich in den Anderen hineinzuversetzen – und sich vor allem am Beispiel Jesu zu orientieren. Er wies darauf hin, dass eine Glocke immer denselben Ton von sich gebe, unabhängig davon, ob ein guter oder ein böser Mensch sie anschlage. Die Sprache der Liebe helfe immer, eine linde, d.h. freundliche Antwort zu finden.
In ihren ergänzenden Predigtbeiträgen unterstrichen Bezirksevangelist Dietmar Brodbeck und Bezirksältester Peter Kromer den Wert des sorgsamen Redens miteinander und des authentischen Handelns – ebenso, wie es im Lied „Ich bete an die Macht der Liebe“ zum Ausdruck kommt: „… in Wort und Werk und allem Wesen sei Jesus und sonst nichts zu lesen.“
Zusammenfassend zitierte der Bischof den bekannten Sinnspruch:
Achte auf deine Gedanken, denn sie werden zu Worten.
Achte auf deine Worte, denn sie werden zu Taten.
Achte auf deine Taten, denn sie werden zu Gewohnheiten.
Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden zu deinem Charakter.
Achte auf deinen Charakter, denn er wird zu deinem Schicksal.
Die Freude und Dankbarkeit über den erlebten Gottesdienst mit den „knackigen Ratschlägen“ klang im anschließenden Zusammensein noch kräftig nach – und wird weiterwirken.